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Sportpfalz: Frau Ferara, Sie haben den Lauf der Hoffnung" erfolgreich beendet und sind nach Mehlingen zurückgekehrt. Wie geht es Ihnen nach dieser Anstrengung?
Frau Ferara: Mir geht es sehr gut. Schon in den letzten Tagen des Laufs hatte sich mein Körper weitgehend an die Belastungen gewöhnt
Deswegen wird keine außergewöhnliche körperliche Erholung notwendig sein. Für mich geht es in den kommenden Tagen eher darum, alles Liegengebliebene abzuarbeiten.
Sportpfalz: Sie waren, den symbolischen Start in Kaiserslautern eingeschlossen, insgesamt 16 Tage nach Berlin unterwegs. Was war die schwierigste Phase in dieser Zeit?
Frau Ferara: Ich würde sagen, dass es verschiedene schwierige Phasen gab. Für den Körper waren die ersten 4-5 Tage am beschwerlichsten.
Da ich mich die letzten zwei Monate aufgrund gesundheitlicher und privater Herausforderungen nicht mehr vorbereitet hatte, waren die ersten Tage geprägt von einigen Blasen, erheblichen muskulären Reaktionen und einem extrem empfindlichen Verdauungssystem.
So habe ich abends nach jedem Lauf nur mit Wärmeanwendungen die Muskeln soweit beruhigen können, so dass sie mich am nächsten Tag wieder unterstützten.
Hinzu kam, dass bereits die ersten Tage zeigten, dass die vorgesehene Route sich in einigen Fällen nur unter erheblichen Schwierigkeiten umsetzen ließ und ich dabei einige Kilometer an Umwegen in Kauf nehmen musste.
Da ich die Strecke mit einem handelsüblichen Internetroutenplaner für Fußgänger geplant hatte, beinhaltete meine Route immer wieder Bundesstraßen, die ich allerdings nur ungern benutzte.
Sportpfalz: Hatten Sie keine andere Möglichkeit, die Route zu planen?
Frau Ferara: Ich hatte mich einige Monate vor Beginn des Laufs um einen Sponsor für ein GPS-Gerät bemüht, aber leider keinen gefunden. Für mich selbst waren die dafür in etwa notwendigen 300,- Euro eine zu große zusätzliche Investition.
Da mich meine geschäftlichen Bemühungen im letzten halben Jahr voll und ganz in Anspruch genommen haben, war auch an eine gezielte Ausarbeitung der Route mittels diverser Wanderkarten etc. nicht zu denken.
Aber ich habe mir während des Laufs einen simplen Autoatlas an einer Tankstelle gekauft und dieser hat mir bei meinen täglichen Herausforderungen mit der Streckenplanung erheblich geholfen.
Sportpfalz: Was waren weitere Schwierigkeiten des Laufs?
Frau Ferara: Ungefähr fünf bis sechs Übernachtungen standen vor dem Lauf noch nicht fest. Ich bekam die Details dieser Übernachtungen erst im Verlauf des Laufs übermittelt. Auch aufgrund der Tatsache, dass die Möglichkeit, das Internet zu benutzen, sehr eingeschränkt war, kamen die notwendigen Informationen nur sehr spärlich und erforderten nach einem langen Lauftag noch ein bis zwei Stunden Organisatorisches und Kontaktaufnahme
zu verschiedenen Personen, um alle notwendigen Details der Übernachtungen zu erhalten und sicherzustellen.
Außerdem war geplant, dass an drei Tagen während des Laufs ein Begleitfahrzeug in Form des Privatautos meiner Mutter zur Verfügung stehen sollte, um den Transport von einigen metergroßen Plakaten zu übernehmen, die mir auf meinem Marsch überreicht wurden und um Proviant etc. nachzuliefern, allerdings blieb dieses am vereinbarten Treffpunkt in Fulda mit einem erheblichen Motorschaden liegen, weshalb nach einem langen Lauf noch die zusätzliche nervenaufreibende
Suche nach Werkstatt, Ersatzwagen etc. auf mich zukam und die folgenden zwei Etappen nur modifiziert stattfinden konnten. Alleine darüber könnte ich eine eigene Geschichte erzählen
Sportpfalz: Wie sah ein typischer Tag während Ihres Laufs aus?
Frau Ferara: Das hing davon ab, ob ein Event geplant war oder nicht. An den Tagen, an denen ich einen Termin mit Autohändlern, Schulen und Presse hatte, wurde ich gegen 8.00 Uhr abgeholt, startete aber erst gegen ca. 10.00 Uhr meinen Lauf.
An den anderen Tagen, an denen ich frei starten konnte, frühstückte ich um 7.00 Uhr und machte mich danach auf den langen Marsch.
Der Ablauf während des Laufs an sich war immer sehr ähnlich. Bis auf einen Tag bin ich jedes Mal die gesamte Strecke ohne Unterbrechung gelaufen. Das bedeutete, beim Laufen zu trinken und zu essen und möglichst nicht anzuhalten.
Sportpfalz: Das heißt also, Sie liefen am Tag mehrere Stunden ohne Unterbrechung. Hatte das einen bestimmten Grund?
Frau Ferara: Zum einen natürlich den, dass es mein Ziel war, vor Einbruch der Dunkelheit anzukommen. Wenn Sie bedenken, dass ich in einer Stunde 5-6 Kilometer gelaufen bin, dann können Sie sich ausrechnen, dass ich für 40 Kilometer ca. 8 Stunden unterwegs war.
An den Tagen, die Events beinhalteten, näherte ich mich je nach Streckenlänge bei der Ankunft der 18.00 Uhr Grenze, an der es öfter schon richtig schummerig war.
Der Hauptgrund dafür, dass ich ohne Pausen lief, war allerdings der, dass es mir dadurch erheblich leichter fiel, im Rhythmus zu bleiben und somit die damit verbundene Laufgeschwindigkeit auf einem konstant hohen Niveau zu halten.
Sportpfalz: Wie sah Ihre Ernährung während des Laufs aus?
Frau Ferara: In den ersten 4-5 Tagen war mein Verdauungssystem durch die Strapazen sichtbar überlastet. In dieser Zeit konnte ich außer den üblichen Powerriegeln, ein paar Nüssen und einem ganz leichten Frühstück kaum etwas essen. Nach einem Lauf hatte ich absolut keinen Appetit mehr.
Das hat sich dann allerdings drastisch geändert. Zwar war mein Verdauungssystem während der kompletten Tour äußerst angegriffen, allerdings habe ich einen ungeahnten Appetit entwickelt. Zum Frühstück, waren 3-4 Brötchen die Regel, manchmal ergänzt durch ein Ei.
Auf dem Lauf selbst habe ich dann 4-5 Riegel pro Tag verspeist und am späten Nachmittag ein bis zwei weitere Brote oder Brötchen gegessen.
Am Abend hatte ich dann ein unglaubliches Verlangen nach Kohlenhydraten und habe dieses mit großen Mengen Nudeln, Kartoffeln etc. gedeckt. (Lacht) Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals schon so viel gegessen zu haben
Sportpfalz: Was war die härteste Etappe?
Frau Ferara: Die Etappe nach Grebenhain war sehr herausfordernd, denn ca. 7 Stunden lief ich durch starken Dauerregen, der mich nach 2 Stunden von Kopf bis Fuß komplett durchnässt hatte und außerdem führte die Strecke kontinuierlich und steil bergauf.
Sportpfalz: Was waren für Sie besonders nachhaltige Erfahrungen Ihres Laufs?
Frau Ferara: Ich bin vor dem Lauf nie mehr als 12 Kilometer am Stück gegangen. Auch bin ich keine leidenschaftliche Läuferin oder Wanderin. (Lacht) Im Gegenteil, meistens zieht es mich ja zu etwas ungewöhnlicheren Sportarten
Ich hatte vor dem Lauf die theoretische Hoffnung, dass sich der Körper an die Belastungen gewöhnt. Dass dem wirklich so war und ich nach gelaufenen 45 Kilometern nach einigen Tagen kaum noch etwas spürte, zählt für mich mit zu den wertvollsten Erfahrungen.
Das beinhaltet auch die Tatsache, dass die mentale Schranke durch diesen Lauf gefallen ist. Die Vorstellung, 30, 40 oder auch 50 Kilometer zu laufen ist für mich nun so möglich und normal, wie es zuvor war, wenn ich an einen 5-10 km Marsch gedacht habe. Diese Erfahrung schätze ich ungemein.
Sportpfalz: Gab es Kontakte zu Einheimischen?
Frau Ferara: Aufgrund des mangelhaften Routenplaners musste ich mich oft durchfragen. Auf diese Art und Weise kam ich natürlich in Kontakt zu dem ein oder anderen, der mich fragte, wo ich hinwolle.
Einmal wurde ich in Thüringen sogar zum Mittagessen eingeladen, was ich leider nicht annehmen konnte, da mir dadurch einfach zu viel Zeit verloren gegangen wäre.
Außerdem kam es sehr oft vor, dass ich bei meinem Lauf auf Bundesstraßen gefragt wurde, ob ich mitfahren wolle. (Lacht) Manchmal habe ich schon meine ganze Überzeugungskraft gebraucht, um nicht einfach eingeladen zu werden
Sportpfalz: Wann haben Sie erfahren, dass Sie der Bundesumweltminister Sigmar Gabriel doch nicht wie geplant, empfangen würde und wie haben Sie diese Nachricht aufgenommen?
Frau Ferara: Ich habe davon etwa zwei Tage vor meiner Ankunft in Berlin erfahren. Ich muss sagen, dass es für mich keine wirkliche Enttäuschung war. Natürlich wäre das Medieninteresse größer gewesen, wenn der Bundesumweltminister mich empfangen hätte, aber für meinen Lauf selbst und für meine Botschaft hat es keinen Unterschied gemacht.
Ich habe diesen Lauf initiiert, um das Beste aus meinem Leben zu machen. Meine Absicht war es nicht, etwas von anderen, auch nicht von den Politikern, zu fordern, sondern selbst voranzugehen und zu zeigen, dass wir Möglichkeiten haben, etwas zu verändern
und zwar jeder einzelne von uns.
Es geht mir mit diesem Ansatz noch nicht einmal um die großen Dinge dieser Welt, sondern um das alltägliche Leben. Wir alle können diesen einen Tag, der vor uns liegt, für uns selbst und andere ein Stückchen schöner und erfüllter machen und Schwierigkeiten und Herausforderungen meistern
oft mehr als wir selbst für möglich halten.
Durch diesen Lauf ist einiges passiert. Menschen haben mitgefiebert, sind über sich herausgewachsen, Kinder haben sich eingebracht, mindestens 1775 Bäume wurden für das Klima erlaufen und ich habe das Versprechen bekommen, dass die ca. 200 gesammelten Briefe an die Abgeordneten der Klimakonferenz in Polen weitergereicht werden.
Ob ich nun Herrn Gabriel oder Frau Klug die Hand geschüttelt habe, spielt für mich deshalb überhaupt keine Rolle.
Sportpfalz: Sind in der Zukunft weitere Projekte dieser Art geplant?
Frau Ferara: Schon seit einigen Jahren gehen mir Ideen für weitere Abenteuer durch den Kopf, allerdings sind diese noch nicht fest geplant und deswegen möchte ich mich an dieser Stelle noch nicht konkret festlegen.
Allerdings plane ich im Zusammenhang mit meiner Tätigkeit als Coach Angebote, in denen auch andere Menschen lernen, ihre eigenen Grenzen in diversen Projekten zu überschreiten, während ich diesen Prozess begleite.
Das ist in der nahen Zukunft Teil meiner geschäftlichen Vision
Sportpfalz: Gibt es noch etwas, was Sie unseren Lesern/Besuchern mitteilen wollen?
Frau Ferara: Ich möchte mich ganz ausdrücklich für die rege Anteilnahme und die vielen guten Wünsche bedanken, die diesen Lauf in Ihrem Forum begleitet haben. Auch wenn ich die letzten zehn Tage die Forumsdiskussion nicht verfolgt habe, so wurde ich doch seitens von Verwandten und Freunden ab und an informiert und die Tatsache, dass so viele Menschen mitgefiebert haben, war für mich zusätzliche Motivation.
Sportpfalz: Wir danken Ihnen für dieses Interview und wünschen Ihnen weiterhin alles Gute!
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